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Sparer sollen Rente mitfinanzieren

Finanztransaktionssteuer als Einnahmequelle für die Grundrente

CDU/CSU und SPD haben auf Ihrem Gipfeltreffen unter anderem die Einführung der Grundrente für Bezieher kleiner Renten ab dem Jahr 2021 beschlossen. Zwischen 1,2 und 1,5 Millionen Menschen sollen dann den Aufschlag zu ihrer Rente erhalten.

Finanziert werden soll die Grundrente zum Großteil durch die Einführung der Finanztransaktionssteuer. Diese soll auf Aktiengeschäfte erhoben werden und zwischen 0,2 und 0,3% des Ordervolumens betragen. Wer also z.B. für 10.000,- Euro Aktien kauft oder verkauft, muss dann zwischen 20,- und 30,- Euro Steuern zahlen. Betroffen hiervon wären auch Aktienfonds und evtl. sogar Riester- und Rürup-Verträge, die in Aktien investieren.

Die ursprüngliche Idee hinter der Finanztransaktionssteuer entstand vor etwa 10 Jahren in Folge der Finanzkrise. Sie sollte riskante Spekulationen eindämmen und die Banken an den finanziellen Belastungen der Krise beteiligen. Die Steuer sollte flächendeckend in Europa eingeführt werden und vor allem für spekulative Geschäfte greifen.

Nachdem eine europaweite Einführung der Steuer sehr unwahrscheinlich/nahezu ausgeschlossen ist, ist es Großinvestoren und institutionellen Anlegern möglich, mit ihren Geschäften auf Länder auszuweichen, in denen die Steuer nicht anfällt. Kleinanleger haben diese Möglichkeiten nicht.

Die Finanztransaktionssteuer soll ausschließlich für Aktiengeschäfte gelten. Der Derivatehandel, der wesentlich spekulativer ist als Aktiengeschäfte und um den es im Grundgedanken 2008 lediglich ging, wäre dann weiterhin steuerfrei möglich. So trifft die Börsensteuer, wenn sie eingeführt wird wie von der Großen Koalition geplant, auch in diesem Punkt vor allem kleinere Anleger und nicht die großen Spekulanten.

Wer aus Gründen der Risikostreuung in Aktiensparpläne investiert, was zur Altersvorsorge unserer Meinung nach sehr sinnvoll ist, wird sogar doppelt zur Kasse gebeten. Der Anleger zahlt dann beim Kauf der Fondsanteile, die Fondsgesellschaft wiederum muss für die Aktiengeschäfte ebenfalls die Steuer entrichten. Dies geht zulasten der Fondspreisentwicklung und damit auch zulasten des Anlegers. Die Steuer bei den Fondsgesellschaften könnte man jedoch noch umgehen, sofern der Fonds in einem Land aufgesetzt ist/wird, in dem diese Steuer nicht gilt.

Unserer Meinung nach ist die wirkliche Krux dieses Modelles, dass die Finanztransaktionssteuer zu einem großen Teil die Generation treffen wird, die jetzt für ihr Alter vorsorgt. Aufgrund der aktuellen Zinslage hat die jüngere Generation nur wenige lukrative Möglichkeiten, Kapital langfristig gewinnbringend anzulegen. Die Börse stellt derzeit eine der wenigen attraktiven Optionen dar. Mit der geplanten Steuer wird den Investoren auch diese Option etwas madiger gemacht und es drängt sich mehr denn je die Frage auf, wie es sein kann, dass ein Staat versucht, deutlich zu machen, dass privat vorgesorgt werden soll und dann zudem immer die Hand aufhält.

Die Regierung greift den Rentnern heute unter die Arme, torpediert damit aber die Altersvorsorge der nächsten Generation. Verstehen Sie uns nicht falsch, es geht nicht darum, dass die Grundrente schlecht wäre. Es geht nur darum, dass es in unseren Augen falsch ist, auf der einen Seite den heutigen Rentnern zu helfen, aber den zukünftigen Rentnern dafür einen Stein in den Weg zu legen. So löst man keine Probleme, sondern man verschiebt sie.