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Teure Überraschung für Arbeitnehmer und zukünftige Rentner

Wie sicher die gesetzliche Rente ist, ist ein viel diskutiertes Thema. Die Corona-Pandemie hat auch dieses leider negativ befeuert. Um dies nachzuvollziehen, ist ein Blick auf die Berechnungsgrundlagen der Rentenhöhe erforderlich:

Durch die Pandemie gerieten Millionen Arbeitnehmer in Kurzarbeit und erlitten dadurch einen erheblichen Verdienstausfall. Weniger Einkommen der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten führt zu weniger Beiträgen für die Rentenkassen. Erschwerend kommt hinzu, dass es 2020 trotz der hohen Zahl an Angestellten in Kurzarbeit eine deutliche Rentenerhöhung (3,45 % Ostdeutschland, 4,20% Westdeutschland) gab, die auf den Löhnen des Vorkrisenjahres 2019 basierte.

Das bedeutet: Obwohl es in Deutschland im Jahr 2020 schon Millionen Kurzarbeiter gab, wirkte sich die Corona-Krise nicht negativ auf die Höhe der Renten aus, sondern diese stiegen auf Basis der Einkommen von 2019 weiter.

Da Renten aufgrund der gesetzlichen Vorgaben, Stichwort Rentengarantie, nicht sinken dürfen, führt dies zu einer erheblichen Lücke zwischen Beitragseinnahmen und monatlichen Rentenauszahlungen.

Rein rechnerisch und wirtschaftlich betrachtet hätten die Renten 2020 sinken müssen, da die Einkommen der Beitragszahler deutlich sprunghaft gesunken sind. Um wieviel die Einkommen sanken, hat das IW (Institut der deutschen Wirtschaft) errechnet. Jochen Pimpertz, Leiter beim IW für Öffentliche Finanzen, Soziale Sicherung, Verteilung kommentiert auf der Internetseite des IW: Die „errechnete Rentenanpassung liegt bei minus 3,25 Prozent".

Das IW untersucht in einer Studie die Folgen, die der aktuell gültige Mechanismus der Rentenanpassungen in Zukunft mit sich bringt.

Das Ergebnis der Studie: „Ab dem Jahr 2022 wird es richtig teuer. Denn sobald sich die Wirtschaft erholt, dürften die Durchschnittsgehälter wieder deutlich steigen. Daraus ergeben sich Erhöhungsspielräume für die Renten", so Pimpertz.

Die Folge aus Sicht des Ökonomen: Für die Jahre ab 2026 liegt der Beitragssatz für Jahrzehnte um 0,3 bis 0,4 Prozentpunkte höher als nötig wäre, wenn es eine (vorübergehende) Senkung der Renten in Zeiten von Wirtschaftskrisen gäbe.

Aktuell liegt der Beitragssatz für die Rentenversicherung bei 18,6 Prozent. Diesen teilen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

Aufgrund des demografischen Wandels - immer weniger Beschäftigte müssen die Renten von immer mehr Rentnern finanzieren - steigt der Satz laut dem Rentenversicherungsbericht 2020 der Bundesregierung im Jahr 2026 auf 20 Prozent. Addiert man die vom IW ermittelten zusätzlichen 0,3 bis 0,4 Prozentpunkte, so klettert der Beitragssatz zur Rentenversicherung auf etwa 20,4 Prozent. Das wäre deutlich mehr als aktuell mit 18,6 Prozent.

Die fehlenden Milliarden in den Rentenkassen müssen weiterhin die rentenversicherten Beschäftigten und die Firmen mit ihren Beiträgen finanzieren.

Doch das ist nur ein Teil der bitteren Wahrheit. IW-Experte Pimpertz ist sicher, dass der Bundeszuschuss an die Rentenversicherung in Zukunft steigt. Dieser wird über Steuergelder finanziert - also auch von Millionen Beschäftigten über ihre Abgaben. Schon jetzt fließen jedes Jahr rund 100 Milliarden Euro Steuergeld in die Finanzierung der Rente.

Dieser Blick hinter die Kulissen zeigt ein weiteres Mal deutlich, die gesetzliche Rente hat ein Geldproblem. Dieses muss früher oder später durch die Politik gelöst werden. Wie das passieren wird, wissen wir nicht. Aber sicher ist leider, wir sollten und können uns nicht nur auf die gesetzliche Rentenversicherung verlassen, sondern jeder Einzelne sollte verantwortungsbewusst selbst ergänzend vorsorgen.

Die richtigen Bausteine für die Altersvorsorge zu finden, ist aktuell herausfordernder denn je, da durch die niedrigen Zinsen viele Anlageoptionen rechnerisch uninteressant geworden sind. Im Gegenzug war aber zum Beispiel die Investition in ETFs oder Fondssparpläne nie einfacher oder kostengünstiger möglich, als es aktuell der Fall ist. Bereits ab 25,- Euro monatlich kann man die private Altersvorsorge am Aktienmarkt starten.

Welchen Weg Sie persönlich auch wählen, es ist wichtig und an der Zeit, sich mit der finanziellen Vorsorge zu beschäftigen, falls das noch nicht geschehen ist. Auch vorhandene Ruhestandsplanungen sollten von Zeit zu Zeit überprüft und bei Bedarf an veränderte Lebensumstände angepasst werden.